Sonntag, 1. April 2012

"Für mich gehört der Spreepark zu Berlin wie das Brandenburger Tor" - ein Interview mit Christopher Flade

Die Fahrgeschäfte stehen still. Nur das rote Riesenrad dreht sich wie von Geisterhand. Wenn der Wind in das Gestänge greift, quietscht und knarzt es - fast wie in einem Horrorfilm. Die Natur hat das Areal des heutigen Berliner Spreeparks zurückerobert. Kaum zu glauben, dass dieser Ort mal ein Freizeitpark war - voller Leben, Lachen und Budenzauber. Dennoch: Auch in seinem jetzigen Zustand ist es ein faszinierender, wenn auch etwas verwunschener Ort.

Christopher Flade bei einer Spreepark-Tour. Foto: Kai Schulte 
Christopher Flade kennt diesen Ort wie kein anderer. Als der Park Ende 2001 seine Pforten schloss, war das für den heute 23-Jährigen ein trauriger Moment. Mit seiner Internetseite hat Christopher dem Ort seiner Kindheit ein Denkmal gesetzt. Umfangreiche Recherchen machen die Seite zu einer Fundgrube und dokumentieren die Historie in allen Facetten von der Gründung zu DDR-Zeiten bis heute. 

Im Februar konnten wir während einer zweistündigen Führung selbst in die wechselvolle Geschichte des Parks eintauchen. Christopher bietet diese Touren regelmäßig am Wochenende an. Im Interview erzählt er, warum er sich immer noch im Park zuhause fühlt, wie er zu seinem Ehrenamt gekommen ist - und wie es ein Schwanenboot bis nach Mecklenburg-Vorpommern geschafft hat.

Christopher, schon als Kind warst du ein großer Spreepark-Fan. Bis heute ist deine Faszination ungebrochen. Warum?
Christopher Flade: Als Kind war ich sehr häufig mit meinen Eltern im Spreepark. Er war der erste Freizeitpark, den ich in meinem Leben besucht habe. Für mich gehört der Spreepark zu Berlin wie das Brandenburger Tor. Genauso gehört er zu mir und meiner Vergangenheit. Mir war es wichtig, dass der Park und seine Geschichte nicht in Vergessenheit geraten. Ich freue mich, dass das Thema "Spreepark" so aktuell ist wie nie. Mehrere tausend Besucher pro Woche schauen auf die Internetseite. Die Führungen, das Café und die Parkbahn-Rundfahrt werden von den Berlinern und Touristen gleichermaßen gut angenommen. Wir haben wieder Leben im Spreepark.

Wo hat man dich damals im Park besonder häufig angetroffen?
Als Kind war ich ein großer Fan von den Clowns Hops und Hopsi. Die beiden Artisten des DDR-Staatscircus waren als einzige Artisten die kompletten zehn Spreepark-Jahre im Park. Jedes Jahr gab es ein neues Programm und dreimal am Tag unterschiedliche Vorführungen. Sie haben jongliert, gezaubert und musiziert. Sie haben mich in ihren Bann gezogen, weil sie mit so viel Leidenschaft dabei waren. Zwischen den Shows liefen sie durch den Park, um mit den Kindern zu spielen und Luftballons zu verteilen. Sie haben mir sogar das Jonglieren beigebracht. Heute jongliere ich nicht viel und kann auch nicht viele "Kunststücke". Aber dieses Hobby habe ich Hops und Hopsi zu verdanken.

Welche Fahrgeschäfte waren deine Favoriten? 
Meine Lieblingsattraktionen waren die Familienachterbahn "Spreeblitz" und das Karussell "Schmetterling".

Welches ist heute dein liebster Ort im Park? 
Die ehemalige Kinderbühne von Hops und Hopsi liegt mir immer noch sehr am Herzen. Von der Bühne steht nicht mehr viel. Aber so lange sie da ist, fühle ich mich im Park zuhause. Dort verbringe ich auch gerne die Pausen zwischen den Führungen.

Du bietest am Wochenende Führungen durch den Park an. Was reizt dich an dieser ehrenamtlichen Arbeit? 
Es ist interessant, die vielen ehemaligen Kultur- und Spreepark-Besucher kennenzulernen. Jeder bringt eine andere Geschichte mit, die er mit dem Park verbindet. Außerdem bekommen die Gäste durch meine Arbeit die Gelegenheit, den Park legal zu betreten. Das Feedback ist sehr herzlich.

Wie bist du zu diesem Ehrenamt gekommen? 
Durch Google und andere Suchmaschinen sind viele Besucher auf meine Homepage gekommen. Oft bekam ich per E-Mail Anfragen, ob es möglich wäre, den Park zu betreten. Mit der Idee, regelmäßige Gruppenführungen anzubieten, ging ich auf die Eigentümerin zu. Sie konnte sich damals nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die sich einen geschlossenen und zugewucherten Park anschauen wollen. "Mach' einen Termin. Es wird niemand kommen", war ihre Antwort. 

Du konntest das Gegenteil beweisen.
Ja, es freut mich sehr, dass wir seit August 2009 an jedem Wochenende des Jahres (Weihnachten und Silvester ausgeschlossen) Führungen anbieten und immer noch viele Besucher zu uns kommen. Teilweise reisen sie aus ganz Deutschland und sogar aus europäischen Ländern an. Der Spreepark ist wieder Teil Berlins geworden.

Bitte erzähle deine liebste Spreepark-Anekdote. 
Vor einigen Jahren wurde von Einbrechern eines Nachts ein Schwanenboot aus dem Park getragen und in die Spree geworfen. Das Boot schwamm davon. Doch als schon niemand mehr damit gerechnet hatte, meldete eine Dame bei der Eigentümerfamilie den kuriosen Fund. Das Boot war erstaunlich weit gekommen - durch mehrere Schleusen hindurch bis nach Mecklenburg-Vorpommern. Dort strandete es am Steg eines Biergartens. Die Restaurantbesitzerin war so nett, den vermissten Schwan zu melden, und er wurde wieder zurück in den Park gebracht.

Wenn du einen Wunsch für den Spreepark frei hättest - welcher wäre das? 
Der Spreepark soll eine neue Chance bekommen. Berlin braucht einen Freizeitpark.

Glücksrezept bedankt sich herzlich bei Christopher Flade für das Interview. Mehr Infos zum Park findet ihr unter www.berliner-spreepark.de

Fotos von unserem Spreepark-Besuch gibt es hier.

1 Kommentar:

  1. Ohh... ich bin grad ganz zu fällig auf diesen Post gestolpert und schon kamen bei mir viele Erinnerungen hoch :) Mit 12 Jahren war mein letzter Besuch dort und ich habe den Spreepark als Kind total geliebt ♥ als gebürtige Brandenburgerin war der Spreepark für Kindergeburtstage einfach ein MUSS :)
    LG Josi

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über jedes liebe Wort und natürlich konstruktive Kritik von dir. Schön, dass du mich hier besuchst. :)