Dienstag, 31. Juli 2012

Trollkyrkja - ein magischer Ort


Heute nehme ich euch mit auf eine Wanderung zu einem kleinen Juwel in Norwegen - der Trollkirche oder auch "Trollkyrkja". 

Wir starten die Tour an der RV 64 zwischen Eide und Molde. Der Weg führt vom Parkplatz aus zunächst durch ein kleines Birkenwäldchen und durch ein Bachbett, das uns fortan auf unserer Tour begleitet - und gerade zum Glück nur wenig Wasser führt. Über Stock und Stein und dicke Wurzeln steigt der Weg an und schlängelt sich durch einen dunklen Tannenwald. Hier und da liegt ein umgekippter Baum auf dem Pfad. Das dicke Moos dämpft unsere Schritte. Unzählige Spinnweben glitzern in der Sonne. Ja, hier könnten sie wirklich zuhause sein - die Trolle...

Der Weg wird immer steiler und unwegsamer. An einem Wasserfall legen wir eine Pause ein. Dann geht es weiter bergauf. Wir erreichen die Baumgrenze. Es fängt an zu regnen. Zum Glück noch recht  verhalten. Plötzlich sehen wir eine Bewegung. Zwei Wanderer kommen uns entgegen. 20 Minuten seien es noch ungefähr bis zum Ziel. Ob wir Taschenlampen dabei haben, wollen die beiden wissen. Na klar! Ob wir die auch am Kopf befestigen könnten, denn wir bräuchten beide Hände, um uns über dem Wasser an den Felswänden festzuhalten. Uns verlässt ein wenig der Mut. War das wirklich so eine gute Idee? Aber wir haben keine Wahl. Umkehren kommt bei dem Wetter nicht mehr in Frage. Also geht es weiter - durch Pfützen, Matsch und über rutschige Felsen. Jetzt erst recht!

Nach einer gefühlten Ewigkeit - die gute Laune hat schon ein wenig gelitten - ein verblichenes Schild! Und da ist auch der Höhleneingang! Ein großes, schwarzes Loch klafft im Felsen und riesige Steinbrocken liegen davor. Mit beiden Händen halten wir uns so gut es geht an den Felswänden fest und klettern langsam vorwärts, immer darauf bedacht, nicht in den Bach zu fallen. Doch als wir erst einmal in der Grotte stehen und unsere Taschenlampen anknipsen, sind die Strapazen fast vergessen. Die Rucksäcke und die Wanderstöcke haben wir am Höhleneingang gelassen, denn jetzt wird es eng: Vorsichtig ertasten wir uns den etwa 70 Meter langen Weg durch die stockdunkle und an einigen Stellen auch sehr niedrige Höhle. Dabei müssen wir gut auf unsere Köpfe aufpassen. Teils klettern und krabbeln wir über die glitschigen Felsen. Mit jedem Schritt wird das Rauschen des Wasserfalls lauter. Doch wir sind noch nicht am Ziel. Sollten die Batterien unserer Taschenlampen jetzt den Geist aufgeben, hätten wir ein Problem. Um uns herum ist alles in tiefe Dunkelheit gehüllt. Die tatsächlichen Ausmaße der Höhle können wir nur erahnen. Doch da: Endlich sehen wir Tageslicht. Es ist die Stelle, an der der Wasserfall durch ein Loch im Berg in die Grotte schießt. Die Gischt spritzt uns entgegen. Der Berg schimmert je nach Lichteinfall in den verschiedensten Farben. Es ist ein atemberaubender Anblick!

Weiter oben gibt es einen zweiten Eingang, der noch spektakulärer sein soll. Doch dafür müssen wir aus der Höhle heraus und noch etwas höher klettern, bis wir zu einer Leiter kommen. Die Leiter ist mit einem Metallgerüst abgesichert. Und das ist auch notwendig. Denn rechts von uns rauscht das Wasser in die Tiefe. Unten angekommen balancieren wir von Stein zu Stein übers Wasser ins Innere der Grotte. Genau vor uns ein imposanter Wasserfall. Um uns herum eine unwirkliche Szenerie: Das Wasser hat eine Art Saal aus Marmor in den Berg gewaschen - ein magischer Ort. Ehrfürchtig stehen wir da und lassen dieses Bild auf uns wirken, bevor es langsam wieder zurückgeht. Es soll noch einen dritten Höhleneingang geben, der in den meisten Monaten von Schnee bedeckt ist. Wir finden ihn leider nicht. Ein vierter Eingang ist bereits vor langer, langer Zeit eingestürzt.

Auf dem Weg nach unten legt der Regen richtig los. Pitschnass, aber überglücklich kommen wir nach unserer insgesamt fünfstündigen Tour am Parkplatz an. Es hat sich definitiv gelohnt!

Auf dem Parkplatz weist eine Infotafel die Wanderer auf die Trollkirche hin: "Welcome to the amazing cave system "Trollkyrkja" - just an hour or so walk from here. It is recommended you bring good hiking boots and a flashlight, while the cave is moist and dark. Deep inside the cave, a waterfall plunges down from high above into a white pond. A second set of caves can be found just above. The cave was created during the last ice-age and is unique in Southern Norway. A trip further up to the small lakes above and to the top of the "Trolltindene" is also recommended."

Ich möchte darauf hinweisen, dass die Wanderzeit "an hour or so" auf ambitionierte Wanderer zutreffen mag, aber nicht auf Otto-Normalo-Touris. ;) Eine Taschenlampe pro Person, am besten eine gute Stirnlampe, ist ein Muss! Ebenso feste Wanderschuhe und Wanderstöcke. Die Schuhe solltet ihr vorher gründlich imprägnieren, sonst holt ihr euch nasse Füße... Und nehmt Regenklamotten mit - das Wetter da oben ist unberechenbar... Etwas Wärmeres zum Überziehen empfiehlt sich auch - in der Höhle ist es kalt. Unterwegs gibt es einige Stellen zum Rasten. Von dort kann man bei schönem Wetter den Blick auf das Tal genießen. Wer mag, kann sich bei der Trollkirche angekommen, in einem Gästebuch verewigen. Weiter oben soll es noch einen idyllischen See geben - so weit sind wir dieses Mal aber leider nicht gekommen...

Kommentare:

  1. Liebe Daniela,

    ich konnt es nicht lassen :)
    Gestern wollt ich schon Deinen Post lesen, bin aber nicht mehr dazu gekommen.
    Ich fand den Anfang so spannend, dass ich jetzt, nachdem ich sehr lange meinen (Heil-)Schlaf gehalten habe, endlich diese wundervolle Erzählung fertig gelesen habe.

    Deine Worte sind so mitreißend und ich konnte mir fast vorstellen, selbst diese Tour zu machen. Du beschreibst alles so, dass farbige und auch düstere Bilder vor dem Auge entstehen. Ich bin einfach fasziniert!!!

    Vielen Dank für Deine lieben Werd-wieder-gesund-Wünsche auf meinem Blog♥
    Werd auch bald wieder in die Kiste schlüpfen, denn Ruhe hat was sehr heilsames.

    Gute Nacht und achte gut auf Dich
    Ivonne

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    1. Liebe Ivonne,
      herzlichen Dank für deine lieben Worte. Vielleicht kannst du ja selbst einmal diese tolle Tour machen. Es ist wirklich ein Erlebnis! Weiterhin gute Besserung und bis bald,
      Daniela

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  2. Hallo Daniela,

    ich bin's noch mal :)
    Ich möchte Dich einladen über ein Thema zu schreiben. Neugierig?
    Auf meinem Blog kannst Du alles nach lesen...
    http://glueckskicks.blogspot.de/2012/08/8-dinge-und-mein-urlaub.html
    Vielleicht hast Du ja Lust dazu, mich würde es sehr freuen!

    Liebste Grüße
    Ivonne

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  3. Hallo Daniela,

    mach Dir keinen Stress, es eilt überhaupt nicht.
    Das Du mitmachen willst, das zählt ♥

    Drück Dich
    Ivonne

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  4. wunderschön und geheimnisvoll sieht das aus =)

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Ich freue mich über jedes liebe Wort und natürlich konstruktive Kritik von dir. Schön, dass du mich hier besuchst. :)