Sonntag, 27. Januar 2013

Leseglück: Das Labyrinth der Wörter



"Es ist komisch: Wenn ich Margueritte anschaue, sehe ich nur eine winzige Alte, vierzig Kilo leicht, zerknittert wie eine Klatschmohnblüte, mit einem krummen Rücken und tatterigen Händen, aber in ihrem Kopf, da sind Tausende von Büchern aufgereiht, alle schön sortiert und nummeriert. Man sieht ihr nicht an, dass sie intelligent ist. Sie redet ganz normal mit mir, sie geht im Park spazieren, sie zählt die Tauben. Genau wie gewöhnliche Leute."



Inhalt

Germain ist Mitte 40, tollpatschig, etwas langsam im Kopf, aber er hat ein großes Herz - obwohl er in seiner Kindheit nie wirklich erfahren hat, was Liebe ist. Er wohnt in einem Wohnwagen, baut Gemüse an und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Meistens trifft man ihn mit Freunden in der Kneipe, bei seiner "Flamme" Annette oder beim Tauben zählen im Park. Dort auf "seiner" Bank sitzt eines Tages eine alte, kleine, zerbrechliche Dame. Schnell stellt sich heraus, dass Margueritte - so ihr Name - ebenfalls gerne Tauben zählt. Zwischen den beiden so unterschiedlichen Personen entwickelt sich langsam eine Freundschaft. Und Margueritte gelingt es, den ungebildeten Germain mehr und mehr für die Welt der Bücher zu gewinnen. Sie schenkt ihm ein Wörterbuch und ermuntert ihn, sich durch das "Labyrinth der Wörter" zu kämpfen. Anfangs fällt das Lesen Germain noch schwer. Doch mit jedem Treffen im Park wird die Liebe zum geschriebenen Wort - und auch zu Margueritte - größer. Es könnte tatsächlich für Germain einmal im Leben alles schön und unbeschwert sein. Doch dann stellt ihn das Schicksal erneut auf die Probe...



"Ein Wörterbuch ist nicht einfach nur ein Buch, Germain. Es ist viel mehr als das. Es ist ein Labyrinth... Ein großartiges Labyrinth, in dem man sich voller Glück verirrt!"



Kurzrezension

Das Buch "Das Labyrinth der Wörter" von Marie-Sabine Roger ist ein kurzer (220 Seiten) französischer Roman, mit einer sehr bildhaften, lebendigen Sprache. Er besticht vor allem durch die beiden Hauptcharaktere: Germain und Margueritte. ER: ein liebenswerter Hüne mit begrenztem Wortschatz (aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird). SIE: eine feinsinnige, belesene Dame. Zwei Personen wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, die aber trotzdem (oder vielleicht auch gerade deswegen) zueinander finden. Germain mag zwar nicht der Hellste sein, dumm ist er aber keineswegs. Vielmehr sagt er mit seinen einfachen Worten ehrlich und gerade heraus, was er denkt. Zwischen ihm und Margueritte entspinnen sich leidenschaftliche, teilweise philosophische, oft humorvolle Dialoge über Gott und die Welt. Leider kamen für mich die anderen Personen in Germains Leben ein bisschen zu kurz. Ich hätte gerne mehr über die verschiedenen Charaktere erfahren und darüber, wie sie Germain geprägt haben. Dennoch ist die Geschichte in sich rund. Sie hat mich an vielen Stellen nachdenklich gestimmt, an wenigen traurig - und sie hat mich verzaubert.


Fazit

Das Buch erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft, gleichzeitig ist sie eine wunderschöne Hommage an das geschriebene Wort. 

1 Kommentar:

  1. Ich habe dieses Buch auch gelesen und fand es wirklich bezaubernd und sehr leicht zu lesen! Mein Tipp! LG Lotta.

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Ich freue mich über jedes liebe Wort und natürlich konstruktive Kritik von dir. Schön, dass du mich hier besuchst. :)